Rillen und Falten

Rillen und Falten in der Praxis

Karton sollte vor dem Falten immer gerillt werden. Dadurch wird der optische Eindruck von hoher Qualität verstärkt, weil ausgeprägte, haltbare und enge Falzlinien ohne störende Risse an den bedruckten, lackierten oder kaschierten Falzen erzielt werden. Der Rillvorgang erleichtert den Faltvorgang und ist die Voraussetzung für den Erhalt der Form und Funktion des grafischen Produkts. Dank des mehrlagigen Aufbaus von Grafikkarton lassen sich optimale Rillergebnisse erzielen. Das beste Resultat ist dabei eine Aufblätterung des Kartons in möglichst viele dünne und unbeschädigte Lagen.

Rillverfahren. Klicken zum Vergrößern.

Das Rillverfahren

Tiefe und enge Rillen verhalten sich wie
Scharniere. Klicken zum Vergrößern.

Ausschlaggebend für eine perfekte Rillung ist das Verhältnis zwischen der Breite und der Tiefe der Rille. Die Qualität des Kartons und die Konstruktion und Leistungsmerkmale der Rillwerkzeuge sind entscheidend für die korrekte Anordnung der Rille und die besten Ergebnisse. Die Rillung muss tief und eng sein, um einen präzisen Falz mit geringem Faltwiderstand zu erhalten.

Die besten Rillungen werden im Flachbettverfahren erzielt. Zur Formung der Rille wird der Karton durch das Rillmesser in eine präzise gefräste Nut in der Matrize (dem Gegenstempel) gedrückt, auf der der Karton aufliegt.

 

Geometrie des Rillwerkzeugs.

 

Am besten ist immer eine Rillung.
parallel zur Faserlaufrichtung.
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Empfehlungen

Es ist immer einfacher, eine perfekte Rillung parallel zur Faserlaufrichtung des Kartons herzustellen als in Querrichtung dazu. Wenn viele Rillen eng nebeneinander angeordnet werden sollen, empfiehlt es sich auf jeden Fall, sie parallel zur Faserlaufrichtung zu führen. Für optimale Ergebnisse bei komplizierten Rillungen empfehlen wir, die Werkzeuge anzupassen, bevor in Querrichtung gerillt wird.

Kartonsorte und -dicke

Wenn der Karton sehr dick oder steif ist,
muss vor dem Falten doppelt gerillt werden.

Die besten Ergebnisse werden erzielt, wenn die Rillwerkzeuge speziell für die gewählte Kartonsorte und ihre Dicke ausgelegt werden. Die Dicke ist dabei die wichtigste Variable. Verschiedene Arten von Karton erfordern jedoch auch unterschiedliche Werkzeuggeometrien, da sie sich im Verhältnis von Dicke zu Flächengewicht und in ihren physikalischen Eigenschaften unterscheiden. Für jede Kartonsorte geben wir in unserem Produktkatalog Empfehlungen, wie Sie die besten Rillergebnisse erzielen können.

Rillwerkzeuge

Entscheidende Faktoren für gute Rillergebnisse sind:

  • Höhe und Breite des Rillmessers
  • Dicke der Matrize
  • Breite der Nut
  • Genauigkeit und Härte der Matrize
  • Druck des Rillmessers

Falten

Für die optimale Funktionalität des Falzes muss immer zur Wulst hin gefaltet werden. In einem Flachbettverfahren sollte die Druckseite beim Rillen daher immer nach oben zeigen. Anderenfalls ist der Falz weniger haltbar, und der Druck wird höherem Verschleiß ausgesetzt.

Ritzen

Die Buchbinderei entwickelt sich in vielen Bereichen weiter. Forderungen nach kürzeren Rüstzeiten, kleineren Auflagen und höheren Geschwindigkeiten machen die herkömmliche Rilltechnik unrentabler. Die vorherrschende Technik für die Taschenbuchproduktion und die Rückendrahtheftung ebenso wie für Faltmappen ist inzwischen das Inline-Ritzen in der Bindemaschine.

Das Ritzverfahren

Das Papier oder der Karton durchläuft einen Satz gegenläufiger Werkzeuge mit Patrize und Matrize, die eine dauerhafte Nut in das Basismaterial pressen.

In der Einbandstation einer Drahtheftmaschine wird der Einband erfasst und um eine rotierende Walze mit einem Ritzrad geführt, das die Patrize darstellt. In der Einbandstation einer Klebebindemaschine werden die Einbände durch zwei mit Werkzeugen bestückte Wellensätze geführt. Werkzeuge für Rückennuten sowie für dekorative Nuten für die Vorder- und Rückseiten von Einbänden sind gegenüberliegend angeordnet.

Verschiedene Werkzeugkonfigurationen für das Ritzverfahren. Durch Verwendung einer
einstellbaren Matrize wird die beste Faltfunktion erzielt.

 

In der Falzmaschine wird das Basismaterial
durch die an Wellen angebrachten
Werkzeuge geführt, bevor es die
Messerfalzeinheit durchläuft.

In der Einbandstation für die
Taschenbuchproduktion wird der Karton
vierfach geritzt, wobei zwei Ritzlinien
nach innen und zwei nach außen zeigen.

 

Ritzen in der Praxis

Der Hauptunterschied zwischen herkömmlichem Ritzen und dem Rillen von Kartonzuschnitten ist die Richtung der Ritzlinie. Während die Wulst beim Rillen von Karton immer innen im Falz liegt, erfolgt das Ritzen für Bücher und Broschüren hauptsächlich auf der anderen Seite. Dafür gibt es zwei Gründe:

Zum einen wird die Technik vor allem für dünneres Feinpapier eingesetzt, weil hier die Aussichten für einen guten Falz mit geringem Widerstand eher schlecht sind. Eine gut definierte Delaminierung innerhalb der Struktur ist wegen des einlagigen Aufbaus von Papier und einer hohen inneren Faserbindung nämlich nur schwer möglich.

Zum anderen gibt es eindeutige praktische Gründe: Das Falten der „richtig“ angeordneten Wulst würde die Genauigkeit des Falzmessers in der Falzmaschine beeinträchtigen, wenn das Messer auf die Wulst trifft, um den Einband zwischen die Falzrollen zu drücken. Dies könnte zu Fehlpassern und Abweichungen in der Produktion führen.

 

Die herkömmliche Ausrichtung einer Rillung mit der Wulst innen im Falz kann bei einem Faltvorgang in einer Messerfalzeinheit störend sein. Klicken zum Vergrößern.

 

Beim Rillen des Einbands von der Stirnseite
entsteht eine Wulst, die die Ausrichtung
zwischen Einband und Innenseiten stören kann.
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Wenn die Wulst zu den Innenseiten einer Zeitschrift hin gefaltet wird, wirkt sich dies möglicherweise störend auf die Ausrichtung zwischen Innenteil und Einband aus. Dies könnte zu Fehlpassern bei Illustrationen führen, die sich über Einband und Innenseiten erstrecken. Zudem schwinden die Möglichkeiten für ein kontrolliertes und gleichbleibendes Verfahren.

Wenn der Einband in einer Klebebindemaschine mit den Innenseiten verbunden werden soll, verhindert die Wulst entweder den engen Sitz des Rückens oder die Durchgängigkeit der seitlichen Klebenaht an der Vorder- und Rückseite des Einbands.

Verschiedene Rillenkonfigurationen für einen perfekt gebundenen Einband. In einigen Fällen verhindert die Wulst den engen Sitz des Einbands an den Innenseiten.

Eine Ritzlinie ist meist flacher und breiter als eine gerillte Linie. Beim herkömmlichen Rillen entstehen tiefere und engere Rillungen, die die Faltfähigkeit verbessern. Beim Ritzen müssen die Werkzeuge und Einstellungen auf die negative Eindringtiefe (gemäß DIN-Norm) eingestellt werden. Die Breite der Matrize muss auf ein absolutes Mindestmaß eingestellt werden, ohne dass es zu einem Einschnitt der Oberfläche kommt.

Wir empfehlen Ritzwerkzeuge mit einer definierten Matrize. Bei der Verwendung von einfachen Gegenrollen aus Gummi ohne Nut entsteht keine ausreichend tiefe und enge Nut, um qualitativ hochwertige Falze zu erzielen.

Mehrlagiger Aufbau

Mit einem mehrlagigen Karton sind optimale Rillungen möglich. Das beste Ergebnis wird erzielt, wenn der Karton entlang einer gut definierten Falzlinie in möglichst viele dünne, unbeschädigte Lagen aufgeblättert wird. Für ein erfolgreiches Rillen müssen die Oberflächenlagen und die Strichlagen sehr fest sein.

Bitte beachten Sie, dass immer zur Wulst hin gefaltet werden sollte. Anderenfalls ist der Falz weniger haltbar und größerem Verschleiß ausgesetzt.

Der mehrlagige Aufbau ist ein wichtiger
Beitrag zur Rill- und Faltfähigkeit. Diese
Eigenschaften sind grundlegend für die
Erzielung von Falzen ohne Risse.

Die Rillanforderungen sollten sorgfältig auf einen geeigneten Karton abgestimmt werden. Die beiden wichtigsten Arten von Grafikkarton, vollgebleichter Zellstoffkarton und Chromokarton, unterscheiden sich in folgenden Punkten:

Vollgebleichter Zellstoffkarton (GZ) ist ein dichter und elastischer Karton mit durch und durch festen Lagen für anspruchsvolle Rillungen:

  • Mit GZ lassen sich gut definierte dauerhafte Rillungen einfach herstellen.
  • Mit GZ sind über eine breite Spanne von Rillgeometrien Rillungen mit geringem Faltwiderstand und guter Faltfähigkeit möglich.
  • GZ toleriert sehr enge und tiefe Rillungen, ohne einzureißen.

Chromokarton (GC) ist ein steifer Karton mit geringer Dichte und festen Oberflächenlagen, die den Belastungen des Rillverfahrens und Verformungen standhalten:

  • Mit GC lassen sich gut definierte Rillungen herstellen.
  • GC verfügt im Verhältnis zu seinem Faltwiderstand über eine hohe Steifigkeit und damit über eine gute Faltfähigkeit.
  • Die Innenlagen von GC sind komprimierbar, so dass die von den Werkzeugen definierte Rillung weniger dauerhaft ist.

 

Bei einer optimalen Rillung blättert sich der
Karton entlang einer gut definierten Falzlinie
in möglichst viele dünne und unversehrte
Lagen auf.

Beim Rillen und anschließenden Falten ist
der Karton großen Belastungen und
Verformungen ausgesetzt.
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Faltzahl

Die Faltfähigkeit von Karton wird durch die Faltzahl ausgedrückt. Eine Faltzahl von 0 entspricht ungerilltem Karton, eine Faltzahl von 100 % entspricht dem perfekten Scharnier. Je höher die erzielte Faltzahl ohne Einreißen der Oberfläche ist, desto besser sind die Rillfähigkeit und die Laufeigenschaften. Die Rillungen werden subjektiv nach Fehlern, Rissen usw. bewertet. Die Effektivität oder Unzulänglichkeit einer Rillung sollte durch Biegen in einem Winkel von 180° geprüft werden. Die Faltzahl sollte über 50 % betragen.

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